Alles gut vorbereitet für das CSR-Reporting?

02 Mrz 2017

Höchste Zeit für Unternehmen, die CSR-Berichtspflicht umzusetzen

Ab dem Geschäftsjahr 2017 gilt für alle kapitalmarktorientierten Unternehmen, Großbanken und Versicherer erstmals die Pflicht, über nicht finanzielle Aspekte ihres unternehmerischen Handelns zu berichten. CSR steht für Corporate Social Responsibility.
Damit tritt die EU-Richtline 2014/95/EU vom 22. Oktober 2014 in Kraft. Diese sieht vor, dass Unternehmen von öffentlichem Interesse und mehr als 500 Mitarbeitern Fragen der Nachhaltigkeit in ihren Berichten ausführlich berücksichtigen.

 

Ziele des CSR-Reportings

Ziel der neuen EU-Richtlinie ist, ein umfassendes Bild eines Unternehmens zu schaffen, um so das Vertrauen der Investoren und Verbraucher zu stärken. Dadurch, dass verschiedene Verfahrensweisen in allen EU-Ländern angeglichen werden, werden Geschäftsabläufe transparenter.

Zu den berichtsrelevanten Themen gehören Fragen

  •  Umwelt (Höhe der Treibhausgas-Emissionen, Wasserverbrauch, Nutzung erneuerbarer Energien oder Luftverschmutzung)
  • der Arbeitsbedingungen
  • der Geschlechtergleichstellung
  • der Menschenrechte
  • der Bekämpfung von Korruption und Bestechung
  • der Diversität in Leitungs- und Kontrollorganen

 

Finding a solution in the labyrinth

Fotolia/ Jakub Jirsák

Organisatorische Herausforderung für viele Unternehmen

Die EU will Unternehmen bei ihren Pflichten zur Berichterstattung mit der Veröffentlichung unverbindlicher Richtlinien unterstützen, allerdings stehen diese wohl erst ab Mai 2017 zur Verfügung. Dann dürfte es für betroffene Unternehmen aber bereits reichlich spät sein, um mit dem Erfassen der notwendigen Daten zu beginnen.
Anfang 2018 müssen die entsprechenden Berichte – abhängig von den jeweiligen Fristen für den Jahresabschlussbericht – vorliegen.

Besonders aufwendig ist der Aufbau einheitlicher Reporting Strukturen für Unternehmen mit vielen Töchtern im Ausland. Werden Konzerntöchter im Bericht des Mutterkonzerns berücksichtigt, sind diese allerdings von einer eigenen CSR-Berichtspflicht befreit.

 

CSR-Reporting: Integrierter Bericht oder eigenständige Publikation?

Es bedarf der frühzeitigen Entwicklung eines Nachhaltigkeitskonzeptes, der Beteiligung der relevanten Personengruppen innerhalb eines Unternehmens, Definitionen von relevanten Messwerten sowie eine präzise Datenerfassung und Datenkontrolle, bevor ein Bericht überhaupt geschrieben werden kann.
Für die Publikation des Berichtes gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Das CSR-Reporting kann als eigenständige Publikation erfolgen. Diese Form bietet die größte Freiheit in der Darstellung des Nachhaltigkeitskonzeptes und den konkreten Kennzahlen. Außerdem können Unternehmen dadurch etwas Zeit gewinnen, weil das CSR-Reporting in diesem Fall erst spätestens 6 Monate nach der Frist für den finanziellen Jahresabschlussbericht veröffentlicht werden muss.
Im Falle einer eigenständigen Publikation sollte diese den Standards der GRI Leitlinien folgen. Die Global Reporting Initiative (GRI) ist international anerkannt und beschränkt sich auf die wesentlichen Informationen.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Orientierung an UN Global Compact, einer freiwilligen Initiative für eine inklusive und weltweite Weltwirtschaft auf der Basis von zehn sozialen und ökologischen Mindeststandards.
Für kleinere oder mittelständische deutsche Unternehmen ist es außerdem möglich, sich am Deutschen Nachhaltigkeitskode zu orientieren (DNK). Dieser erfüllt die EU-Berichtspflicht und ist international anschlussfähig.

Selbstverständlich kann das CSR-Reporting auch in den Finanzbericht integriert werden, wodurch diesem ein hoher Stellenwert im Unternehmen verliehen wird. Wirtschaftsprüfer müssen den Nachhaltigkeitsbericht lediglich formal und nicht inhaltlich überprüfen.

Angesichts der komplexen Fragestellungen des CSR-Reportings sollten Unternehmen den Aufwand nicht unterschätzen und zügig mit der Umsetzung der Vorgaben beginnen. Wenn die Zahlen zum Wasserverbrauch einzelner Produktionsprozesse oder den Treibhausgas-Emissionen transparent werden, bieten sich Chancen zum nachhaltigen Wirtschaften, von denen ein Unternehmen auch finanziell profitiert.