Der Brexit: Eine große Herausforderung für in Großbritannien aktive Unternehmen

31 Mrz 2017

Am 23. Juni 2016 stimmte die britische Bevölkerung mit knapper Mehrheit (51,89 %) für den Austritt Großbritanniens aus der EU, und setzte damit einen Schlussstrich unter eine jahrzehntelange Hass-Liebe mit dem Kontinent. Leitend bei den Brexit-Befürwortern war eine starke Abneigung gegenüber vermeintlicher Überregulierung durch Brüsseler Behörden und die Ablehnung von Einwanderung durch junge EU-Bürger.

Die aktuelle Situation

Gut 9 Monate nach dem Brexit-Votum steht die britische Gesellschaft gespalten da: Am 29. März 2017 hat die britische Premierministerin Theresa May das Austrittsverfahren offiziell eingeleitet. Während May keine Teilmitgliedschaft anstrebt und mit ihrem Land sowohl den EU-Binnenmarkt als auch die Zollunion verlassen will, haben verschiedene Bevölkerungsinitiativen und namhafte Politiker wie der frühere Premier Tony Blair bis zuletzt versucht, den Brexit noch aufzuhalten.

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Folgen für die Wirtschaft

Die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser historischen Entscheidung für Großbritannien und die EU sind auch 9 Monate danach noch nicht in allen Details abzusehen. Täglich melden sich Wirtschaftsexperten mit widersprüchlichen Prognosen zu Wort. Die nächsten Jahre werden zeigen, für welche Länder der Brexit Segen oder Fluch ist.

 

Konkret konnte Großbritannien 2016 ein Wachstum von 2 % verbuchen, aber das englische Pfund schwächelt seit der Brexit-Entscheidung der Briten. Und auch die Kreditwürdigkeit Großbritanniens wurde von den Rating-Agenturen nach unten gestuft.

 

Insgesamt ist Londons Position als Finanzhauptstadt der Welt kräftig ins Wanken geraten. Verschiedene Großbanken wie Goldman Sachs und UBS haben bereits angekündigt ihr EU-Geschäft nach Frankfurt zu verlagern. Und auch andere europäische Hauptstädte werden von der Krise des britischen Finanzstandortes profitieren.

 

Doch auch Unternehmen aus anderen Branchen wollen dem Vereinigten Königreich ohne Zugehörigkeit zum europäischen Binnenmarkt den Rücken kehren. Die britische Regierung will deshalb versuchen, mit niedrigen Unternehmenssteuern neue Anreize für den Standort Großbritannien zu schaffen.

 

Auf Unternehmen, die wirtschaftlich mit Großbritannien verbunden sind, weil sie dort z.B. Holdings haben oder in großem Umfang Geschäfte in Großbritannien machen, kommen erhebliche administrative, finanzielle und steuerliche Veränderungen zu. Fragen der Umsatz- und Ertragssteuer, des Zollrechtes, der Arbeitnehmerfreizügigkeit müssen mit erheblichen Aufwand neu bearbeitet und bewertet werden. Allein über 21.000 EU-Gesetze müssen bei einem Ausscheiden von Großbritannien angepasst werden.

 

Firmen, die Töchter auf der Insel haben, bekommen den anhaltenden Verfall des Pfundes jetzt bereits jetzt kräftig zu spüren und stehen deshalb beim Jahresabschluss vor erheblichen, bilanziellen Herausforderungen. Die mit dem Verfall des Pfundes verbundene Verminderung von Beteiligungen, Standorten und Vermögenswerten kann zu Problemen bei der Ertragslage führen.

 

Um finanzielle und steuerliche Risiken zu vermeiden, sollten sich Unternehmen deshalb frühzeitig informieren.