German Mittelstand: Ist das deutsche Erfolgsmodel fit für die Zukunft?

Der deutsche Mittelstand gilt als Herzstück und Motor der deutschen Wirtschaft

3 Millionen deutsche Unternehmen werden dem Mittelstand zugerechnet, und sorgen jährlich für einen Umsatz von 1,74 Billionen €. Sie sind garant für 60% aller Arbeitsplätze und tragen mit 80% aller Ausbildungsplätze Sorge für die fachliche Ausbildung des Nachwuchses.

Als Mittelständler werden in der Regel Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern und einem Umsatz bis zu 500 Millionen verstanden. Die meisten Unternehmen zeichnen sich durch eine fast 100 jährige Geschichte  und eine besondere Spezialisierung aus. Sie erbringen mit ihren Produkten, Verfahren und Dienstleistungen 40% der deutschen Exportleistung. Mit einer Ertragsquote von 13,9% übertreffen die Familienunternehmen die Dax-Konzerne 10,2% bei weitem.

Krisenfest und Vorbild für ausländische Wirtschaften?

Der größte Unterschied zu den großen Dax-Konzernen ist jedoch, dass der Geschäftsführer auch der Eigentümer ist. Dementsprechend ist das unternehmerische Handeln von langfristigem Planungen und Verantwortung für die nächste Generation geprägt. Da die schnelle Dividende nicht das Geschäftsziel ist, gehen Mittelständer geringere finanzielle Risiken ein. Vielleicht erweisen sich die deutschen Familien-Unternehmen in den letzten Jahren auch deshalb so krisenfest.

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Ausländische Politiker haben sich in den letzten Jahren häufiger gefragt, ob sich dieses deutsche Erfolgsmodell wohl auch importieren lässt. Wie sehr der Mittelstand ein deutsches Phänomen und in der deutschen Geschichte verwurzelt ist, wird deutlich, wenn man weiß, das man in Frankreich bis vor einigen Jahren überhaupt kein eigenes Wort für diese mittelgroßen Unternehmen kannte.

Fit für Digitalisierung und radikale Innovationen?

Doch trotz allen Erfolges müssen sich die deutschen Unternehmen fragen, ob sie fit sind für die Herausforderungen der Zukunft. So haben die Berater von McKinsey in der Studie „Die Digitalisierung des deutschen Mittelstands“ aus dem August 2017 fest gestellt, dass nur jeder zweite Mittelständler in der Digitalisierung eine Chance sieht.

Gründe für den Pessimismus seien u.a. mangelnder Mut, fehlende Innovationsbereitschaft sowie mangelnde finanzielle Ressourcen für die Durchführung von Digitalisierungs-Projekten. Doch auch die Bindung von qualifizierten IT-Spezialisten gelingt so manchem Mittelständler nicht.

Auf dem Digital-Gipfel im Juni 2017 hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel den Mittelstand aufgefordert, die Chancen von Big Data klug zu nutzen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass Anbieter von großen Plattformen wie Google und Amazon „die Wertschöpfungskette anknabbern“. Doch nur wenige Branchen nutzen laut einer Umfrage von Bitkom Research überhaupt Big Data. Nur wenige Branchen wie die Automobilbranche, Versicherungen sowie Chemie und Pharma entwickeln bereits neue Geschäftsmodelle für die Digitalisierung. Auch die Themen Datenschutz und IT-Sicherheit gehören für drei on vier

Überalterung als Problem?

Die geringe Affinität mit der digitalen Welt steht sicher auch im Zusammenhang mit der Überalterung des Mittelstandes, der vom demographischen Wandel voll getroffen wird: Laut einer Studie von KfW Economic Research sind 36% der Mittelständer sind über 55 Jahre alte, während die unter 40 jährigen nur 12% ausmachen. Und diese älteren Unternehmer sind weniger bereit zu Investitionen als der jüngere Nachwuchs.

Vielleicht ist die Altersstruktur unter den Familienunternehmern auch ein Grund dafür, dass deutsche Mittelständler bestehende Produkte bis zur Perfektion verbessern, aber keine wirklich radikalen Innovation schaffen wie der OECD-Experte Andreas Woergoetter unlängst kritisierte.