IFRS 17 nach jahrelanger Vorbereitung veröffentlicht

IASB schließt auch das letzte seiner vier Großprojekte ab

Mit dem Ziel, die internationale Rechnungslegung zu vereinheitlichen und transparenter zu gestalten, optimiert das International Accounting Standards Board (IASB) kontinuierlich seine Standards. Neben ständigen kleineren Anpassungen arbeitete das Board seit etlichen Jahren jedoch auch an vier grundsätzlichen Neuregelungen in der internationalen Bilanzierung. Am 18.05.2017 wurde nun mit der Veröffentlichung des International Financial Reporting Standards 17 (IFRS 17) auch das letzte dieser Großprojekte abgeschlossen.

Die vier neuen Standards IFRS 9 – Finanzinstrumente, IFRS 15 – Erlöse aus Verträgen mit Kunden, IFRS 16 – Leasingverhältnisse und IFRS 17 – Versicherungsverträge ersetzen jeweils ältere Standards und stellen derart grundlegende Umwälzungen dar, dass nahezu jedes kapitalmarktorientierte Unternehmen sich auf eingreifende Veränderungen seiner Unternehmensprozesse einstellen muss. Die Neuerungen stoßen jedoch auf Unternehmerseite nicht nur auf Gegenliebe.

 

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Gewinner und Verlierer von IFRS 9

Wie bei allen grundlegenden Systemveränderungen, gibt es auch durch die neuen Standards Konzerne, die von den Neuregelungen eher profitieren und solche, die auch beachtliche Nachteile verkraften müssen. Ein gutes Beispiel hierfür ist IFRS 9 – Finanzinstrumente. Für Industrieunternehmen bietet einer der Kernpunkte von IFRS 9, das Hedge Accounting, eine willkommene Möglichkeit, ihre Gewinn- und Verlustrechnung positiv zu beeinflussen, indem künftig auch einzelne Hedging-Komponenten bilanziell ausgewiesen werden können.

Für Banken hingegen ist IFRS 9 jedoch vor allem mit enormem Aufwand verbunden. Die vorgesehene umfangreiche Reklassifizierung von Vermögenswerten wird nicht nur ihre Geschäftsbilanz negativ beeinflussen. Sie setzt auch eine grundlegende Umstellung ihrer Unternehmens- und IT-Prozesse voraus, so dass einige Häuser mittlerweile mit Umstellungskosten von bis zu 125 Millionen Euro oder mehr rechnen.

 

Auch IFRS 15 sorgt für Wirbel – besonders in der Telekommunikationsbranche

Gerade für Branchen mit Mehrkomponenten-Geschäften wie die Telekommunikationsbranche bedeutet der neue Standard zu Erlösen aus Verträgen mit Kunden signifikante Änderungen ihrer bisherigen Bilanzierungs- und Unternehmensprozesse. IFRS 15 regelt nämlich u.a. neu, zu welchem Zeitpunkt Teilleistungen desselben Vertrages bilanziert werden müssen. Der bisherige Ermessens- und Gestaltungsspielraum der Konzerne entfällt somit.

Alleine diese Umstellung und die Reevaluierung bestehender Verträge wird große Telekommunikationsanbieter, aber auch Anbieter von Kundenkarten und anderen Bonusprogrammen, Kosten in Millionenhöhe verursachen. Und damit ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Denn auch bei Änderungen an bestehenden Verträgen wird zukünftig eine Neubewertung nötig sein. IFRS 15 wird also auch nach der Erstumstellung den Aufwand für Accountants vieler Konzerne maßgeblich erhöhen.

 

IFRS 16 macht deutlichen Unterschied zwischen Leasingnehmer und Leasinggeber

Bot der bisherige IAS 17 zu Leasingverhältnissen noch vielen CFOs die Möglichkeit einer bilanzneutralen Darstellung von Leasingverpflichtungen, beseitigt der neue IFRS 16 dieses Hintertürchen fast vollständig. Laut neuem Standard sind sämtliche Leasingverpflichtungen, die eine längere Laufzeit als 12 Monate haben und von mehr als ‚geringfügigem‘ Wert sind (mehr als ca. 5.000 USD), zukünftig on-balance zu bilanzieren. Dies dürfte die Verschuldung, Zinsbelastung und Eigenkapitalquote vieler Unternehmen negativ beeinflussen.

Eine weitere Schwierigkeit von IFRS 16 ist die deutliche Ungleichbehandlung von Leasinggebern und Leasingnehmern. Im Gegensatz zu den einschneidenden Veränderungen für Leasingnehmer, ändert sich für Leasinggeber nichts Grundsätzliches. Zukünftig ist es daher denkbar, dass dieselben Vermögenswerte sowohl vom Geber als auch vom Nehmer – also doppelt – bilanziert werden. Ungeklärt ist bislang auch, wie Unternehmen verfahren müssen, die gleichzeitig als Leasinggeber und -nehmer fungieren.

 

IFRS 17 beseitigt globale Intransparenz

Durch den bislang gültigen Übergangsstandard IFRS 4 war eine internationale Vergleichbarkeit von Konzernabschlüssen in der Versicherungsbranche de facto nicht möglich, da lokale Rechnungslegungsvorschriften in IFRS-Jahresabschlüssen zulässig waren. Dass dieser Zustand nun durch IFRS 17 – Versicherungsverträge beseitigt wird, ist vor allem eine gute Nachricht für Investoren.

Der Versicherungsbranche selbst entstehen durch den neuen Standard jedoch zunächst einmal umfangreiche Umstellungen und damit verbundene Kosten. Das Ausmaß der Änderungen ist dabei abhängig von den bisher verwendeten Methoden. Der neue Standard sieht zum Beispiel drei mögliche Bewertungsmethoden für Versicherungsverträge vor und läutet damit einen kompletten Paradigmenwechsel ein. Des Weiteren steigen die Anforderungen an das externe Berichtswesen und die Datenverarbeitung deutlich.

Neben diesen Umstellungen ist auch eine gute Kommunikationsstrategie erforderlich: Bei nahezu allen Unternehmen werden sich Veränderungen in den Bereichen Ergebnis und Eigenkapital ergeben. Vor allem in Ländern, in denen die Bilanzierung bislang auf Annahmen zum Abschlusszeitpunkt basierten, wird sich eine größere Ergebnisvolatilität manifestieren. Diese durch die Umstellung bedingten Änderungen müssen gut nach außen und innen kommuniziert werden.

 

Die vier neuen Standards lösen weltweit strukturelle Veränderungen aus

So sehr die zunehmende Transparenz und Vereinheitlichung von Jahreskonzernabschlüssen also generell begrüßenswert ist, so ergeben sich jedoch für die jeweils betroffenen Branchen und Unternehmen zunächst einmal enorme Belastungen. Da die vier besprochenen Standards so gut wie jedes kapitalmarktorientierte Unternehmen in irgendeiner Form betreffen, hat das IASB mit diesen Projekten eine umfangreiche strukturelle Umwälzung der internationalen Rechnungslegung eingeläutet.

Zudem drängt die Zeit: Auch wenn die neuen Richtlinien erst auf Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2018, 2019 bzw. 2021 verpflichtend anzuwenden sind, müssen Unternehmen die Neuerungen jetzt zügig umsetzen, da bei der Erstanwendung immer jeweils auch Vergleichswerte für das vergangene Geschäftsjahr präsentiert werden müssen.

Sollten Sie Fragen zu den neuen Standards haben, kontaktieren Sie uns. Wir unterstützen Sie gerne bei der Umstellung und sorgen dafür, dass Ihre Jahresabschlüsse allen neuen gesetzlichen Vorgaben entsprechen.