Know Your Customer-Verfahren

03 Aug 2017

Wie EU-Finanzdienstleister helfen, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu bekämpfen

Die schärfere Bekämpfung von Terrorismus ist laut der Europäischen Sicherheitsagenda von 2015 eine Priorität der EU. Dazu gehört auch ein intensiveres Vorgehen gegen Terrorismusfinanzierung. Terroristen sollen anhand von Geldbewegungen aufgespürt und ihre Möglichkeiten, an Geld zu kommen, beschnitten werden.

Zur Umsetzung dieser Maßnahmen ist die Politik auf die Mithilfe sämtlicher an Finanztransaktionen beteiligter Dienstleister und Unternehmen angewiesen. Die aktuell gültige 4. EU-Geldwäsche-Richtlinie musste daher von den Mitgliedstaaten bis spätestens Ende Juni 2017 umgesetzt werden.

 

Die 4. EU-Geldwäsche-Richtlinie

Sie definiert einen Kreis zu besonderer Sorgfalt verpflichteter Unternehmen und Personen. Hierzu gehören alle Personen und Unternehmen, die mit Vermögenswerten in Berührung kommen und dadurch eventuell zur Aufdeckung von Verbrechen bzw. illegal erworbenen Finanzen beitragen könnten. Dies sind u.a. Kredit- und Finanzdienstleister, Versicherer, Wirtschaftsprüfer, aber auch Anwälte, Notare und Immobilienmakler.

Ihre besondere Sorgfaltspflicht greift bei allen größeren Geschäften, beispielsweise bei Transaktionen mit Barzahlungen ab 10.000 €.

Verpflichtete sollen fortan jedes größere Einzelgeschäft hinsichtlich des Risikos von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung analysieren und mit passenden Strategien und Prozessen reagieren. Mithilfe von „Know Your Customer-Verfahren“ sollen sie außerdem ihre Neu- und Bestandskunden überprüfen, transparente Informationen liefern und Auffälligkeiten melden.

 

Pixabay/ Geralt

Know Your Customer-Verfahren

In der Praxis bedeutet dies, dass die Verpflichteten ihre Vertragspartner, beziehungsweise für diese auftretende Personen und „wirtschaftlich Berechtigte“, genau identifizieren müssen. Wirtschaftlich Berechtigte sind laut der aktuellen Richtlinie alle natürlichen Personen, die 25% oder mehr der Vermögens- oder Stimmrechtsanteile des Vertragspartners halten. Für Stiftungen und Trusts gelten hierzu Sonderbestimmungen.
Zur Identifizierung müssen mindestens Informationen wie Name, Geburtsort, Anschrift und Staatsangehörigkeit erhoben und überprüft werden.

 

Schaffung von Transparenz

Zusätzlich soll durch Informationen über die wirtschaftlich Berechtigten von Organisationen und Unternehmen Transparenz hinsichtlich der persönlichen Verwebungen und Interessen innerhalb der Wirtschaft geschaffen werden. In Deutschland, beispielsweise, müssen wirtschaftlich Berechtigte, falls sie nicht schon in anderen Registern wie dem Handels- oder Unternehmensregister eingetragen sind, ab dem 1. Oktober 2017 in ein neues „Transparenzregister“ eingetragen werden. In dieses haben Behörden und Verpflichtete Einsicht, in Einzelfällen und bei „berechtigtem Interesse“ auch andere, wie z. B. Journalisten.

 

Ausblick

Wie hoch die Terrorismusbekämpfung seitens der EU priorisiert wird, verdeutlicht die Tatsache, dass vor der endgültigen Umsetzung der 4. Geldwäsche-Richtlinie in allen Mitgliedstaaten bereits erneute umfangreiche Anpassungen – allgemein 5. Geldwäsche-Richtlinie genannt – beschlossen wurden. Das EU-Parlament stimmte einem entsprechenden Entwurf Ende Februar 2017 zu. Die neue Richtlinie beinhaltet weitere Verschärfungen, wie niedrigere Schwellenwerte zur Erfassung wirtschaftlich Berechtigter, und legt den Fokus auf Online-Zahlungen und E-Geld.

Es ist zu erwarten, dass weitere Anpassungen in relativ kurzen zeitlichen Abständen folgen, während die EU sich bemüht, mit den sich schnell entwickelnden technischen Möglichkeiten im Finanzsektor Schritt zu halten. Personen und Unternehmen, die zum Kreis der Verpflichteten gehören, tun daher gut daran, sich auf diesem Gebiet auf dem Laufenden zu halten, um ihre Compliance zu gewährleisten.