Roboter in der Buchhaltung?

Wie RPA die Unternehmensverwaltung revolutioniert.

Es ist allgemein akzeptiert, dass viele Produktionstätigkeiten seit Jahren von Robotern schneller, ausdauernder und genauer erledigt werden. Doch nun erobern Roboter auch die Büros vieler zukunftsorientierter Unternehmen. Der Begriff Roboter ist dabei etwas irreführend, denn bei Robotic Process Automation (RPA) handelt es sich genauer gesagt um Software, die – einem Roboter gleich – Routineaufgaben exakt und unermüdlich mithilfe bestehender Systeme erledigt.

 

 

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Anwendungsbereiche

Der Einsatz von RPA bietet sich vor allem in solchen Unternehmensbereichen an, in denen immer wiederkehrende, „einfache“ Bearbeitungsschritte viele Ressourcen binden. Beispiele hierfür sind das manuelle Eingeben von Daten in Eingabemasken, die Auswertung von Daten, umfangreiche Suchvorgänge nach und Abgleiche von Daten.

 

Vorteile und Grenzen

Die großen Vorteile von Robotic Process Automation sind hierbei, dass diese Routinetätigkeiten rund um die Uhr und viel schneller und fehlerfreier als von menschlichen Mitarbeitern ausgeführt werden können. Zudem ist RPA niedrigschwellig, kann also auch von Nicht-Experten bedient und überwacht werden. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass RPA mit den bestehenden Systemen eines Unternehmens arbeitet. Es sind keine vorhergehenden umfangreichen Investitionen in neue Kernsysteme erforderlich, bevor ein Unternehmen RPA für sich nutzen kann.

 

Der Vorteil der Genauigkeit beinhaltet jedoch gleichzeitig auch die natürliche Grenze von Robotic Process Automation: damit die Automatisierung funktioniert, dürfen Prozesse nicht verändert werden. Unternehmensprozesse sollten daher vor einer Implementierung von RPA genauestens analysiert und ggf. optimiert werden, denn eine nachträgliche Anpassung ist aufwändig.

 

Außerdem kann RPA nur mit exakten Daten arbeiten, eine Extraktion von Daten zum Beispiel aus Fließtexten oder die selbstständige Erschließung neuer Vorgänge analog zu vergangenen Lösungen ist nicht ohne den zusätzlichen Einsatz von weiterführender sog. cognitive software oder sogar Künstlicher Intelligenz-Systeme möglich. Doch auch hier schreitet die Entwicklung zurzeit rasant voran, so dass Unternehmen in den kommenden Jahren immer mehr auf solch komplexe Lösungen zugreifen können werden.

 

Bedrohung für Arbeitsplätze?

Heißt dies, dass in Zukunft nicht nur Fließbandarbeiter, sondern auch Büromitarbeiter durch Roboter ersetzbar sein werden? Ja und nein prophezeien Wissenschaft und Wirtschaft. Laut einer Studie der Universität Oxford ist die Ersetzbarkeit eines Mitarbeiters in hohem Grade abhängig vom Anteil seiner Routinetätigkeiten bzw. dem Anteil an Aufgaben, die kreative Lösungen und soziale Kompetenz erfordern.

 

Demzufolge werden beispielsweise die Aufgaben von Buchhaltern und Mitarbeitern von Finanzabteilungen und Sales Back Offices zukünftig mehr und mehr von RPA-Systemen übernommen werden können. Mitarbeiter, die häufig kreativ statt rein analytisch denken müssen oder im Kundenkontakt Fingerspitzengefühl beweisen müssen, werden aber wohl eher nicht ersetzbar sein.

 

Fazit

Für viele Unternehmen bietet Robotic Process Automation interessante Möglichkeiten, in beträchtlichem Umfang Ressourcen einzusparen und gleichzeitig die Tätigkeiten ihrer menschlichen Mitarbeiter durch eine Reduzierung von Routineaufgaben aufzuwerten. RPA wird daher in zunehmendem Maße als Chance auf Verbesserung angesehen und wird in den kommenden Jahren immer mehr Unternehmensbereiche revolutionieren.

 

Weiterlesen:

Frey, Carl B. et. al.. Technology at Work: The Future of Innovation and Employment. University of Oxford: 2015.