Verrechnungspreise im Fokus internationaler Steuerbehörden

Verrechnungspreise durch BEPS wieder verstärkt im Fokus internationaler Steuerbehörden

Verrechnungs- oder Transferpreise sind aktuell durch verschärfte internationale Richtlinien wieder vermehrt ins Gespräch gekommen. Hierbei handelt es sich um ein sensibles Thema für Unternehmen. Nicht selten haben die internen Umsätze innerhalb multinationaler Konzerne die gleiche Größenordnung wie extern erwirtschaftete Umsätze. Den sich daraus ergebenden Steuer- und Gewinngestaltungsmöglichkeiten für internationale Unternehmen versucht die OECD aktuell mithilfe ihres Maßnahmenplans BEPS (Base Erosion and Profit Shifting) gerecht zu werden.

 

Interne Transaktionen machen mehr als die Hälfte des Welthandels aus

Dass die internationalen Steuerbehörden sich sehr für Verrechnungspreise interessieren, ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass unternehmensinterne Transaktionen schätzungsweise sogar mehr als die Hälfte des gesamten Welthandels ausmachen. Über diese Hälfte möchten die internationalen Steuerbehörden ab sofort sehr viel detaillierter informiert werden als bisher. BEPS soll dabei für alle beteiligten Parteien erhöhte Transparenz, Kohärenz in den Berichterstattungsanforderungen und steuerliche Planungssicherheit bieten, zum Beispiel durch eine Aufschlüsselung der Berichterstattung über interne Umsätze in einer Master File, einer Local File und dem Country by Country-Reporting.

 

Internationale Vereinheitlichung bislang leider nicht Realität

Doch genau an der gewollten Kohärenz und Planungssicherheit mangelt es bislang im Umsetzungsprozess der vorgeschlagenen Maßnahmen. Viele Länder haben den Vorschlag der OECD schnell angenommen, die Umsetzung verläuft allerdings alles andere als einheitlich. So haben beispielsweise einige Länder das CbC-Reporting eingeführt, nicht aber ihre lokalen Berichterstattungsrichtlinien angepasst. Andere Länder wiederum haben zwar das Konzept der Aufschlüsselung in Master und Local File übernommen, nicht aber die hierfür empfohlenen Richtlinien der OECD.

 

Strategischer Ansatz ist nun Pflicht

Insgesamt ergibt sich momentan für multinationale Großkonzerne das Bild eines erheblichen Mehraufwands in der Berichterstattung mit gleichzeitiger Unsicherheit über die genauen Anforderungen. Bislang war es nicht selten der Fall, dass eine lückenlose Berichterstattung über interne Umsätze sich auf vermutete Hochrisiko-Unternehmensteile beschränkte. Nun sind Konzerne jedoch strukturell zu strategischer Planung gezwungen, um alle erforderlichen Daten konzernweit zu erheben, auszuwerten und aufzubereiten – global und auf die Länder der einzelnen Niederlassungen aufgeschlüsselt.

 

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Potentiell verheerende Folgen mangelnder Compliance

Für diese komplexen Aufgaben existieren in vielen Unternehmen weder einheitliche Prozesse oder professionelle IT-Lösungen noch sind die Verantwortlichkeiten für die einzelnen Aufgaben klar geregelt. Potentiell beteiligte Abteilungen wie die Steuerabteilung, das Rechnungswesen und das Controlling verweisen oft aufeinander, was im Falle einer negativen Steuerprüfung leicht zum Vorwurf des Organisationsversagens führen kann. In der Folge droht der Unternehmensleitung im Falle von Steuernachforderungen schlimmstenfalls eine Haftungsklage wegen Fahrlässigkeit oder sogar Vorsatz.

 

Unternehmen müssen jetzt aktiv werden

Unternehmen sollten daher jetzt präventive Maßnahmen ergreifen, ihre Berichterstattungsprozesse professionalisieren und so weit wie möglich automatisieren. Ein unternehmensweites Compliance Management-System für Steuern ist hierbei ein wichtiger Schritt, der auch von vielen Steuerbehörden zu einer milderen Beurteilung im Falle von Steuernachforderungen führt.

 

Auch OECD steuert nach

Aber auch die OECD hat den Nachbesserungsbedarf in Bezug auf BEPS erkannt. Die sehr unterschiedliche Umsetzung der Maßnahmen in den verschiedenen Ländern, ungenaue Formulierungen der einzelnen Maßnahmen und häufige Änderungen haben aktuell eine hohe Planungsunsicherheit in Bezug auf Steuern für die Unternehmen zur Folge. In einem ersten Schritt wurde daher unlängst eine Länderliste zum CbC-Reporting veröffentlicht mit Angaben zum Stand der Umsetzung des Maßnahmenkatalogs sowie den zu beachtenden nationalen Besonderheiten. Den betroffenen Konzernen wird nichts anderes übrig bleiben, als sich stets auf dem aktuellen Stand zu halten und ihre Maßnahmen entsprechend anzupassen.